2014 Ostseeumrundung – Finnland

Finnland vom 24.06.2014 – 15.07.2014

Strecke: Helsinki, Turku, Korppoo, Porvoo, Lappeenranta, Savonlinna, Joensuu, Nurmes, Suomussalmi, Kuusamo, Oulanka NP, Rovaniemi, Sodankylä, Inari, Näätämö

Finnland erreicht flächenmäßig annähernd die Größe Deutschlands, aber mit nur 5,3 Millionen Einwohnern liegt die Bevölkerungsdichte bei 16 Einwohner je km² (Deutschland ca. 226 EW/km²). Finnland ist eines der am dünnsten besiedelten europäischen Länder. Finnland ist das waldreichste Land Europas: 86 % der Landfläche sind bewaldet.

Nach nur 2,5 Stunden Fährfahrt von Tallinn erreichten wir Helsinki, die Hauptstadt Finnlands. Auch hier hofften wir einen zentralen Stellplatz zu finden und machten uns gleich auf die Suche. Das Zentrum Helsinkis erstreckt sich über viele Inseln und Halbinseln. Plätze zum Parken sind da rar und auch kostspielig, weshalb sich unser Unterfangen als schwierig herausstellte. So schlugen wir den Weg Richtung Campingplatz ein. Von der Schnellstraße aus entdeckten wir auf einer vorgelagerten Insel einen Parkplatz direkt am Wasser, wo wir die Nacht verbrachten.

Helsinki, Dom

Am nächsten Morgen wechselten wir doch auf den Campingplatz, denn Wäsche waschen war angesagt und der Wasservorrat ging auch zur Neige. Auf dem Platz standen bereits drei deutsche LKW der Marke IFA. Christian und Nicole mit Kindern und Freunden waren bereits auf dem Heimweg. Es gab rege Gespräche über Vor- und Nachteile eines jeden LKW. Mit der nördlichsten Metro fuhren wir mehrmals ins Stadtzentrum, um die Sehenswürdigkeiten zu besuchen und zu shoppen. Hier wimmelte es geradezu von Touristen, viele von den Kreuzfahrtschiffen im Hafen. Nachdem wir uns noch das letzte deutsche Gruppenspiel der WM angeschaut hatten, fuhren wir in den Südwesten nach Turku, der ehemalige Hauptstadt (bis 1812).

Turku, Burg

Hier fand ein mittelalterliches Wochenende mit Markt und Ritterspielen statt. Nach einem Abstecher zur Burg Turun Linna aus dem 13. Jahrhundert, die einst auf einer Insel an der Hafeneinfahrt erbaut wurde und nun durch die nacheiszeitliche Landhebung auf das Festland gerutscht ist, verließen wir Turku, um einen Ausflug in den Schärengarten zu unternehmen.

Man kann auf der „Großen Schärenstraße“ bis in den äußersten Südwesten vordringen. Wir hatten herrliches Wetter und genossen die Fahrt auf kleinen Sträßchen und das Inselspringen mit den kostenlosen Fähren. Leider war der Zugang zu den Ufern schwierig, da diese meist mit privaten Grundstücken gesäumt waren. Die größeren, landnahen Inseln sind relativ dicht bewaldet, auf den kleineren und landfernen Schären wird die Vegetation dann dünner. Auf der Insel Korppoo fanden wir einen Nachtplatz am Wasser, aber schon während der Nacht setzte heftiger Regen ein.

Unseren ursprünglichen Plan weiter im Westen zur „Sonnenstadt Naantali“ zu fahren, gaben wir wegen des Regens auf und fuhren in entgegengesetzte Richtung über Porvoo nach Lappeenranta im Osten am Saimaa See. Wir verabschiedeten uns für längere Zeit von der Ostsee, um einen weiten Bogen bis hoch ans Eismeer zu spannen.

Der Saimaa See ist Finnlands größter See und zusammen mit den durch Wasserstraßen verbundenen benachbarten Seen ergibt sich die größte Seenplatte Europas. Auf dem Weg nach Norden passierten wir kurz hinter Lappeenranta den Saimaa Kanal, der den Finnischen Meerbusen mit dem Saimaa See verbindet und durch russisches Territorium führt. Finnland hat diesen Zugang zur Ostsee und das russische Gebiet entlang des Kanals 2010 auf weitere 50 Jahre von Russland gepachtet.

Unser nächstes Ziel Savonlinna ist bekannt für seine schöne Burg Olavinlinna und die jährlich stattfindenden Opernfestspiele. Wir fanden einen zentralen Nachtplatz unweit der Burg mit Free WIFI und konnten nachts das WM Achtelfinale gegen Frankreich verfolgen. Am nächsten Morgen verdunkelte sich der Himmel verdächtig, dass wir schnell unsere Kameras schnappten und zur Burg marschierten, um wenigstens im Trockenen ein paar Außenaufnahmen zu machen. Bis zur Öffnung der Burg um 10 Uhr hatten wir noch 45 Minuten Zeit. Als wir so zur Burg schlenderten überholten uns zwei finnische Paare, die schnurstracks zum Eingang liefen, der überraschenderweise offen war, obwohl das Tickethäuschen noch nicht besetzt war. Das machte uns neugierig und wir folgten den Finnen und kamen in den für die Festspiele überdachten und bestuhlten Innenhof, wo reges Treiben herrschte und im Orchestergraben fleißig die Instrumente gestimmt wurden. Wir setzten uns in eine der Reihen und warteten ab, was weiter passieren würde. Es kamen Film- und Fotoreporter, Personen in Kostümen liefen herum und der Orchestergraben füllte sich. Um 10 Uhr gab es Regieanweisungen und die Generalprobe begann. Es handelte sich um ein zeitgenössisches Stück „ KULLERVO“ von Aulis Sallinen (* 1935, einem der bedeutendsten Komponisten Finnlands unserer Zeit. Oper in zwei Akten (1986-88), basiert auf einer Episode des finnischen Nationalepos Kalevala).Wir verfolgten die Aufführung und schlichen vor der Pause hinaus. Am Eingang zur Arena wurden nun die Tickets der Besucher kontrolliert. Wir besichtigten noch die Burg und machten uns dann auf nach Kerimäki, wo die größte Holzkirche der Welt steht.

 

Kerimäki, größte Holzkirche der Welt

Weiter fuhren wir auf einer Nebenstrecke quer durch das Seengebiet. Auch hier verbinden teilweise Fähren die Straße zwischen den Inseln, die ebenfalls kostenlos sind. An unserem Übernachtungsplatz am See vor Joensuu trafen wir Peter und Maritta. Peter ließ seinen Quadrocopter mit Actioncam über den Platz fliegen und fotografieren. Nun hat Achim eine Position mehr auf der Wunschliste der Dinge, die man unbedingt haben muss.

Von Joensuu folgten wir der „Via Karelia“ nach Norden. Ein Abstecher führte hinauf auf die Koli Berge. Von dort hat man einen schönen Blick (die sog. „Nationalaussicht“) über den See Pielinen mit seinen zahllosen Inseln.

In Nurmes hat man eine Hotelanlage als Rekonstruktion eines karelischen Dorfes mit seinen schwarz gestrichenen Blockhäusern erbaut.

Nördlich von Suomussalmi, wo wir das WM Viertelfinale in einer Pizzeria anschauen konnten, steht auf einer Wiese neben der E63 das tausendköpfige „Stille Volk“. Was stellt es dar? Ist es stiller Protest? Sind sie Außenseiter? Vergessene? Der geistige Vater dieser Kuriosität Reijo Kela gibt darauf keine Antwort, jeder soll seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen.

Einen weiteren Abstecher machten wir zum Wandern in den Oulanka Nationalpark. Am nächsten Morgen starteten wir um 7 Uhr zur „kleinen Bärenrunde“, einer schöner Tagestour durch herrliche Landschaft und mit abenteuerlichen Hängebrücken über Schluchten und Katarakte des Flusses Kitka. Da bisher die sommerlichen Temperaturen ausgeblieben waren, hielt sich auch bislang die Moskitoplage im erträglichen Rahmen.

Vor Kemijärvi passierten wir bereits den Polarkreis, fuhren aber weiter nach Westen nach Rovaniemi, um uns dort im Santa Claus Village am Polarkreis dem Rummel um den Weihnachtsmann hinzugeben.

Es handelt sich hier um eine Ansammlung von Restaurants und Souvenirshops, einem Santa Claus Postamt und dem Herzstück, dem Weihnachtsmann Office. Jeder, ob alt oder jung, kann Santa Claus persönlich treffen und kurz mit ihm plaudern.

Da mussten wir hin! Nach ein paar Minuten Small Talk über unsere Reise und Fußball wurden wir wieder verabschiedet. Das Ganze war kostenlos. Möchte man aber ein Erinnerungsfoto, kann man dies für 28€ oder gleich das Komplettpaket für 39€ erwerben. Das Geld haben wir uns gespart, deshalb hier auch nur ein Beispielfoto.

Nach einer Stunde Rummel und Weihnachtsliedern in der Endlosschleife mussten wir dort weg!

In Rovaniemi besuchten wir noch das Arktikum, ein überaus interessantes, modernes Museum, das Leben und Kultur der arktischen Völker sowie Entwicklung und Geschichte von Lappland darstellt. Da wir aus dem Frühjahr bereits wussten wie teuer alles in Norwegen ist wurden auch nochmal die Vorräte aufgestockt. Natürlich verpassten wir auch nicht das Halbfinale.

entlang der E75

tolle Nachtplätze

Das nächste und letzte Ziel in Finnland war der Inari See. Auf der E75 nach Norden überholten uns seit 2 Tagen auffallend viele Motorräder und fast ausschließlich Harley-Davidson, die man schon aus der Ferne am Klang erkennt.

Achim erkundete, dass in Saariselkä das jährliche Treffen des finnischen Harley-Davidson-Clubs stattfindet. Da dies auf unserer Strecke lag schauten wir mal dort vorbei, der Zutritt zum Gelände blieb aber leider nur den Mitgliedern vorbehalten. Mehr als 1000 Bikes gaben sich hier ein Stelldichein und knatterten durch die Umgebung.

In Inari unternahmen wir eine Wanderung zur Pielpajärvie-Wildmarkkirche. Wir liefen die Runde in einem durch, auf eine Pause verzichteten wir, denn Stehenbleiben bedeutete sofort von Moskitoschwärmen umringt zu sein. Wir hatten unseren Aufenthalt so geplant, dass wir in Inari schließlich noch das WM Finale mit dem deutschen Titelgewinn miterleben konnten.

Wir hatten unseren Aufenthalt so geplant, dass wir in Inari schließlich noch das WM Finale mit dem deutschen Titelgewinn miterleben konnten.

„WIR“ sind Weltmeister

Zur Einreise nach Norwegen wählten wir die landschaftlich reizvolle Nebenstrecke entlang des Inari Sees, natürlich auch in der Hoffnung so einer Zollkontrolle auf Lebens- und Genussmittel zu entgehen.

An der Strecke entdeckten wir einen schönen Stellplatz an einem See und da die Sonne schien, beschlossen wir dort zu übernachten. Wir sammelten Holz für ein Lagerfeuer und grillten. Am nächsten Morgen verließen wir Finnland, nachdem der Tank nochmals mit weniger teurem Diesel aufgefüllt war.

 

 


weiterlesen… Norwegen Nord: aktualisiert am 20.09.2014

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