2014 Ostseeumrundung – Norwegen-Nord

Norwegen vom 15.07.2014 – 24.09.2014

Strecke: Neiden, Vardo, Tana Bru, Gamvik, Veidnes, Lakselv, Nordkap, Havoysund, Hammerfest, Alta, Oksfjord, Storslett, Nordkjosbotn, Tromso, Finnsnes, Botnhamn, Gryllefjord, Andenes, Nyksund, Hovden, Skagen, Sortland, Svolvaer, Leknes, A, Lodingen, Bognes, Mosjoen, Trondheim, Dovrefjell NP, Andalsnes, Geiranger, Skei, Jotunheimen NP, Flam, Bergen, Jondal, Odda, Nesvik, Tau, Forsand, Lysebotn, Egersund, Farsund, Kristiansand

Die Fläche Norwegens (inklusive Spitzbergen) ist geringfügig größer als die von Deutschland, aber mit nur 5,1 Millionen Einwohnern (davon 13% Einwanderer) liegt die Bevölkerungsdichte bei 13 Einwohner je km² (Deutschland ca. 226 EW/km²). Norwegen ist eines der am dünnsten besiedelten europäischen Länder. 

Glücklicherweise konnten wir ohne Kontrolle die Grenze mit unserem Schmuggelgut (Lebensmittel, Bier und Wein) nach Norwegen passieren. Direkt mit der Grenze veränderte sich auch die Landschaft, sie wurde rauer. Statt der bewaldeten Hügel Finnlands erhoben sich nun kahle Berge und dazwischen die tiefen Einschnitte der Fjorde.

Wir hatten gehört, dass die Halbinseln östlich des Nordkaps einsam und lohnenswert seien. Wir ließen also Kirkenes rechts liegen und fuhren an der Varanger Halbinsel die Ostküste entlang. In Ekkeroy unternahmen wir eine Wanderung um und auf den Vogelfelsen bevor wir weiter nach Vardo der östlichsten Stadt Norwegens fuhren.


Ekkeroy,Vogelfelsen

Vardo erreicht man durch den 2,9 km langen und 88 m unter der Wasseroberfläche liegenden Eismeertunnel. Die größte Sehenswürdigkeit ist die achteckige Festung Vardohus aus dem 18. Jahrhundert.


Vardo

Vierzig Kilometer weiter entlang der Küstenlinie ist dann definitiv das Ende der Welt erreicht, in Hamningberg. Am nächsten Tag schien die Sonne und endlich kam das Kajak zum Einsatz. Achim fuhr auf das Eismeer zum Angeln, Andrea backte einen Nusskuchen (nach Rezept von Lars). Die erbeuteten Fische wurden sofort gebraten und zum Teil verspeist. Da Achim der einzige Fischesser von uns ist war die Beute seiner zweiten Ausfahrt für Jochen und Marlies, auch mit Womo unterwegs, bestimmt. In dieser Bucht sahen wir die ersten Seeadler und konnten sogar Wale beobachten.







Es war noch die Zeit der Mitternachtssonne und wir hofften sie hier am Ozean perfekt aufnehmen zu können, doch leider gab es des Nachts immer Wolken, die unser Unterfangen boykottierten.

Als nächstes steuerten wir die Halbinsel Nordkyn an. Wir fuhren über ein karges Hochplateau und erreicht im Norden bei Gamvik den nördlichsten Leuchtturm der Welt (Slettnes) und ebenso den nördlichsten auf der Straße erreichbaren Festlandspunkt Europas (das Festlands-Nordkap ;-)). Bei unserer Ankunft war alles in dichte Watte gepackt, dass wir weder Leuchtturm noch Küstenlinie ausmachen konnten. Am nächsten Tag lichtete sich der Nebel und wir erwanderten uns die schöne Umgebung.


Leuchtturm Slettnes



Auf dem Rückweg nach Süden bogen wir noch zu den westlichen und östlichen Seitenfjorden ab und bei recht gutem Wetter wurden Angel- und Paddeltage eingelegt. Immer wieder trafen wir Jochen und Marlies, fanden schöne Nachtplätze und machten gemütliche Lagerfeuer.

Die Ostfinnmark mit ihrer rauen und einsamen Küstenlinie gefiel uns sehr gut, das klare und fischreiche Gewässer und die vielfältige Tierwelt haben uns begeistert.


Dorsche

Jochens Filletierschule




Nun wollten wir uns ins Getümmel stürzen und das nächste Highlight, das Nordkap, ansteuern. Hierzu fuhren wir den Porsangerfjord, mit 20 km Breite und 120 km Länge der flächenmäßig größte Fjord Norwegens, an seinem Westufer entlang nach Norden. Wir machten einen Abstecher zu einem Sandstrand mit Dolomit-Felsformationen, wo der samischen Sage nach Trolle zu Stein verwandelt wurden.



Auf der E69 herrschte auffallend viel Verkehr, will doch jeder Norwegen Tourist seine Reise mit dem Besuch des Nordkaps krönen.


Das Nordkap ist ein 307 m steil aus dem Eismeer emporragendes Schieferplateau auf der norwegischen Insel Magerøya, die man durch einen knapp 7 km langen Unterseetunnel erreicht. Es liegt auf 71°10′ 16″ nördlicher Breite, rund 2100 Kilometer vom Nordpol entfernt und 514 Kilometer nördlich des Polarkreises. Der Eintritt beträgt immerhin 245 NOK (ca. 30 €), dafür kann man 2 Tage dort bleiben, was wir auch taten. Wir nutzten die Zeit bei FreeWIFI, um an unserer Webseite zu arbeiten. Es war spannend das Treiben in den Nordkap-Hallen und an der Weltkugel zu beobachten, besonders abends wenn dutzende Reisebusse mit Kreuzfahrttouristen angerollt kamen. Wettermäßig erlebten wir alles von Regen, Sturm und Sonnenschein bis Nebel, der innerhalb von Sekunden alles in Watte hüllte. So verstrich leider auch die letzte Gelegenheit die Mitternachtssonne (Nordkap: 14.05. bis 30.07.) eine ganze Nacht durchgängig sehen zu können.









Wir verließen den Wendepunkt unserer Reise, denn von hier aus sollte es nur noch Richtung Süden gehen. Zunächst nahmen wir denselben Weg entlang des Porsangerfjords zurück, bevor wir auf die Stichstraße nach Havoysund  abzweigten.



Kaum verlässt man die Hauptroute, die E6, lässt man auch die Touristenströme hinter sich und hat die spröde Schönheit dieser einsamen Landschaft für sich alleine.

Den nächsten Abstecher machten wir zur Hafenstadt Hammerfest, der nördlichsten Stadt der Welt. Touristische Attraktionen gibt es hier nicht sehr viele, aber einen guten Angelplatz an der Brücke zur Insel Kavaloy, auf der Hammerfest liegt.



Ein Stück weiter nach Süden besuchten wir die berühmten Felszeichnungen bei Alta. Eigentlich sind es 2000 bis 6000 Jahre alte Felsritzungen entlang der ursprünglichen Wasserlinie, die zur Sichtbarmachung rot ausgemalt wurden.



Bei unserer Fahrt entlang des Oksfjords, inmitten einer fantastischen Bergkulisse und mit Blick auf den gleichnamigen Gletscher, entdeckten wir einen herrlichen Platz am Ufer, wo wir spontan einen Pausentag einlegten.

Achim kümmerte sich mit Freude um das Auffüllen der Fischvorräte.

Da wir seit Helsinki auf keinem Campingplatz (= Waschmaschine) mehr übernachtet hatten, hatte sich ein Berg Schmutzwäsche angesammelt. Da mussten wir ran, aber bitte rein ökologisch J. Mit durch Sonnenenergie erwärmtem Wasser wurde die Wäsche in der durch Solarstrom betriebenen halbautomatischen Campingwaschmaschine sauber geschleudert.

Im schmalen Fjord gab es nichts außer zwei Fischfarmen und einer Gruppe Schweinswale, die wir immer wieder sehen oder aber ihr Schnauben hören konnten.


Schweinswale

Auf dem Weg nach Tromso windet sich die E6 am Lygenfjord entlang, mit fantastischer Sicht auf die sog. Lyngsalpen.



Tromso, die größte Stadt nördlich des Polarkreises hatten wir bereits im März besucht, nun wollten wir uns einen sommerlichen Eindruck verschaffen. Das Wetter unterschied sich kaum vom März, dennoch war deutlich mehr Leben auf den Straßen, u.a. wegen der Kreuzfahrtschiffe und der stattfindenden Schach Weltmeisterschaft.


Tromso

Unser nächstes Ziel war Senja, die zweitgrößte Insel Norwegens und ein Geheimtipp. Dass in unserem Reiseführer auch nur zwei Seiten über die Insel zu finden waren verstanden wir als gutes Omen. Wir wurden nicht enttäuscht! Schon nach kurzer Fahrt entdeckten wir eine kleine Bucht mit türkisblauem, klaren Wasser, einem Sandstrand und herrlichem Panoramablick. Hier schlugen wir für die nächsten vier Tage unser Lager auf und verabredeten uns mit Fabian und seinen Freunden.



Die Vier waren am Ende ihres Norwegenurlaubs und hatten uns aus Deutschland einen neuen Wärmetauscher (für Warmwasser) mitgebracht, weil unser Alter in Finnland undicht geworden war. Wir sechs hatten an „unserem Karibikstrand“ zwei entspannte und lustige Tage mit Baden, Lagerfeuer und Fisch satt.




Während die vier „Jungs“ die Heimreise antraten setzten wir unsere Rund um die Insel fort. Eine Nacht verbrachten wir auf der Westseite in Gryllefjord und am nächsten Morgen beim Frühstück sahen wir die Fähre in den Hafen einlaufen. Diese verbindet Senja mit Andenes auf den Vesteralen und würde uns 450 Straßenkilometer ersparen.

Aber zu welchem Preis? Noch vom März wussten wir, dass ein Wagen mit einer Länge über 6 Meter den 3-4 fachen Preis eines Wagens bis 6 Meter kostet.

Wir packten schnell alles zusammen und fuhren zum Hafen. Mit etwas Glück und einer gnädigen Zahlmeisterin waren wir schon zwei Stunden später trotz rauer Überfahrt, aber zum PKW Preis in Andenes.

Unweit von Andenes fällt der Meeresboden steil an einem Kontinentalrand ab und bietet ergiebige Nahrungsgründe für Wale, weshalb die Stadt auch vom Waltourismus lebt.

Auf der Insel Langoy besuchten wir einige abgelegene Fischerdörfer, u.a. die „Geisterstadt“ Nyksund, deren zerfallene Gebäude in privater Initiative restauriert wurden/werden.


Nyksund

Die Landschaft der Vesteralen ist sehr kontrastreich mit dramatischen Bergen, bewaldeten Tälern und ausgedehnten Ebenen. Auch hier fanden wir durchweg schöne Nachtplätze, z.B. ganz exponiert auf einer Mole.



Auf dem Landweg (Brücken und Tunnel) erreichten wir die sich südlich anschließende Inselgruppe der Lofoten.



Henningsvaer

Obwohl inzwischen Nachsaison war erlebten wir eine hohe Womo-Dichte, viele Tramper, aber auch eine  ungewohnt hohe Zahl an Verbotsschildern wie „no camping“. Wir mochten uns nicht vorstellen was hier in der Hauptsaison los ist.



A



Hamnoy

Dennoch begeisterte uns, wie schon im März, die Landschaft, Berge die sich steil aus dem klaren Meer erheben, die idyllischen Fischerdörfer mit den Gestellen zum Trocknen des Stockfischs und die herrlichen Sandstrände.





Wir schlängelten uns auf den schmalen Straßen bis ans südliche Ende der Inselgruppe nach A, unterbrochen durch Abstecher nach Henningsvaer und Nusfjord.


Nusfjord

Reine

Reine

Von Reine aus bestieg Achim noch den Reinebringen mit einer fantastischen Aussicht auf das gigantische Bergpanorama.


Aufstieg zum Reinebringen

Panorama vom Reinebringen

Da wir auch in Mittel- und Südnorwegen noch einige Punkte anfahren wollen, mussten wir uns nun leider vom Norden und den Lofoten verabschieden. 


weiterlesen… Norwegen Süd: aktualisiert am 29.09.2014

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