2014 Ostseeumrundung – Norwegen-Süd

Norwegen vom 15.07.2014 – 24.09.2014

Strecke: Neiden, Vardo, Tana Bru, Gamvik, Veidnes, Lakselv, Nordkap, Havoysund, Hammerfest, Alta, Oksfjord, Storslett, Nordkjosbotn, Tromso, Finnsnes, Botnhamn, Gryllefjord, Andenes, Nyksund, Hovden, Skagen, Sortland, Svolvaer, Leknes, A, Lodingen, Bognes, Mosjoen, Trondheim, Dovrefjell NP, Andalsnes, Geiranger, Skei, Jotunheimen NP, Flam, Bergen, Jondal, Odda, Nesvik, Tau, Forsand, Lysebotn, Egersund, Farsund, Kristiansand

Wir verließen die Lofoten bei herrlichem Sonnenschein mit der Fähre von Lodingen nach Bognes.

Die nächsten vier Tage verbrachten wir auf der Piste und machten Strecke bis Trondheim, unterbrochen nur von dem obligatorischen Halt am Polarkreis und kurzen Stopps in Mosjoen und Laksforsen.



Polarkreis

Mosjoen


Laksforsen

Satu, von Korea bis Norwegen mit dem Motorrad

Im Zentrum von Trondheim fanden wir einen freien Womo-Platz und durchstreiften abends nochmals die schöne Altstadt.

Trondheim, Speicherhäuser


Trondheim, Nidaros-Dom

Als nächstes Ziel steuerten wir den Dovrefjell Nationalpark an, wollten dort wandern und die Moschusochsen sehen. Diese wurden hier in den 50er Jahren aus Südgrönland angesiedelt und repräsentieren die einzige wild lebende Population auf dem europäischen Festland.
Bei der ersten Wanderung  trafen wir bereits kurz nach dem steilen Anstieg eine Gruppe Moschusochsen, die dann bei Einbruch der Dämmerung weiterzogen. Auf dem Rückweg durch den lichten Wald zum LKW sammelten wir noch schnell 2 Beutel Stein- und Birkenpilze und bereiteten daraus eine leckere Pilzpfanne zu.



Am nächsten Tag konnte man zwar einige Moschusochsen in der Ferne ausmachen, aber um die Zotteltiere aus der Nähe zu beobachten mussten wir doch einige Stunden ins Dovrefjell hinein wandern.



Die weitere Strecke führte uns zu den touristischen Highlights von Fjord-Norwegen und entsprechend viele, meist asiatische Touristen trafen wir dort an. Zunächst schraubten wir uns auf den engen Serpentinen des Trollstigen 800 Höhenmeter hinauf zur Aussichts-plattform mit spektakulären Ausblicken auf die Passstraße.


Trollwand

Blick auf Trollstigen

Auf der anderen Seite ging es dann wieder sanft bergab zum Norddalsfjord, den wir per Fähre queren mussten, um schließlich den Geirangerfjord zu erreichen.

Gudbradsjuvet

Der kleine Ort Geiranger dient allein dem Tourismus und so verwundert es kaum, dass freie Stellplätze rar sind. An einem Uferweg stand ein Womo auf einem Seitenstreifen, wir gesellten uns dazu und innerhalb von 15 Minuten war ein alternativer Stellplatz gegründet, drei Womos und ein Zelt – alles in deutscher Hand. Es wurde ein netter Abend mit Lagerfeuer und Grillwürstchen – trotz Regenguss.

Am nächsten Morgen standen wir dann in der ersten Reihe, um dem Einlaufen des größten Kreuzfahrtschiffes (3800 Passagiere) der Saison beizuwohnen. In dieser Saison legten von Mai bis September 211 Kreuzfahrtschiffe im Geirangerfjord an, bis zu 4 gleichzeitig, nicht mitgezählt das tägliche Schiff der Hurtigrute.

Wir verließen den Fjord wieder bergauf und machten noch einen Abstecher nach Dalsnibba, Europas höchstem Fjordaussichtspunkt auf 1500m. Von hier hat man einen tollen Blick auf den Geirangerfjord und den Geirangervegen.

Blick auf Geirangerfjord von Dalsnibba

In Loen am Nordfjord bogen wir in das wildromantische Loendal ab und unternahmen am Ende des Tals eine Wanderung zum Kjenndalsbreen, einer Gletscherzunge des Jostedal-Gletschers.




Wir wählten unsere Route so, dass möglichst wenige Fährüberfahrten (weil teuer) auf unserem Weg lagen.

Vom Lusterfjord aus ging es wieder in endlosen Serpentinen hinauf zum Sognefjell am Jotunheimen Nationalpark. Hier ist man mitten in schroffer, alpenähnlicher und gletscherdurchzogenen Berglandschaft mit Blick auf die drei höchsten Berge Nordeuropas (über 2400m). 

Wir unternahmen eine schöne Wanderung an einen Gletscher und erreichten unser Auto noch trockenen Fußes bevor der dunkle Himmel die Schleusen öffnete.



Durch den alten Ortsteil von Laerdal mit seinen bunten Holzhäusern am Sognefjord (mit 204km der längste norwegische Fjord) kann man wie durch ein Freilichtmuseum spazieren.

Kurz hinter dem Ort erlebt man schon die nächste Superlative, den längsten Straßentunnel der Welt. Er ist sagenhafte 24,5km lang und es gibt darin drei Hallen, die von blauem Laserlicht illuminiert werden, um einem Tunnelschock vorzubeugen.

Es war schon ein seltsames Gefühl für mindesten 20 Minuten in der Röhre zu verschwinden. Man kann sagen, dass Norwegen das Land der Tunnel ist. Wir sind auf unserer Tour bestimmt durch mehr als 100 Tunnel (0,5 – 24,5km) gefahren, wobei die meisten wahrscheinlich nicht die ADAC Anforderungen erfüllen würden.


Blick auf den Aurlandfjord

Der kleine Ort Flam ist das touristische Zentrum am Sognefjord, denn eine Fahrt mit der Flambahn ist ein „Muss“ für jeden Norwegentouristen. Und so taten wir es ihnen gleich. Die steilste Normalspurbahn der Welt windet sich in Serpentinen und Spiralen auf nur 20km Länge von Meeresniveau hinauf auf 865m Höhe nach Myrdal. Wenn die Kreuzfahrtschiffe in der Hochsaison im Fjord liegen werden täglich bis zu 8000 Touristen befördert. Wir fanden die Fahrt ganz unterhaltsam und interessant, dennoch kommt sie nicht auf die Liste unserer Highlights.


Auf der E16 fuhren wir weiter nach Bergen, parkten in der Nähe des Bahnhofs auf einem speziellen LKW Parkplatz und erkundeten die Stadt zu Fuß. Bergen ist nicht nur die zweitgrößte, sondern auch regenreichste Stadt Norwegens. Wir hatten Glück, es blieb trocken und mittags schaute sogar die Sonne hervor.



Neben dem historischen Viertel Bryggen mit den bunten Holzhäusern ist auch ein Stopp am Torget mit dem bei Touristen beliebten Fischmarkt lohnend. Hier gibt es Stände mit frischem Fisch und anderen Meerestieren, meist angeschlossen ein Restaurant oder Imbiss. Da dies primär ein Saisongeschäft ist, rekrutiert sich das Personal überwiegend aus internationalen Studenten und Saisonarbeitern. Diese Praxis konnten wir an mehreren Orten in Norwegen im Tourismusbereich feststellen. Nachdem wir stundenlang durch die lebhafte Stadt gebummelt waren verließen wir sie am Nachmittag wieder.




Am Steinsdalsfossen fanden wir einen schönen Nachtplatz. Man kann trocken hinter diesem Wasserfall entlanglaufen, was wir am nächsten Morgen testeten bevor die ersten Reisebusse anrollten.




Wenige Kilometer später war mal wieder eine Fährfahrt nötig, dieses Mal über den Hardangerfjord.  Die Uferstraße bis Odda verläuft entlang endloser Obstplantagen am Fuße steiler Berghänge. Inzwischen war es herbstlich geworden, das Laub begann sich zu verfärben und die Apfelernte war in vollem Gange.


Ab Odda folgten wir der Landschaftsroute Ryfylke nach Süden. Die Landschaft ist abwechslungsreich, steile Berge, glasklare Fjorde, enge Täler, dennoch sind wir hier im Süden in Agrarland. Wo möglich wird Landwirtschaft betrieben oder wenigstens Wochenendhäuser gebaut.

Roldal, Stabkirche


Bei herrlichem Sonnenschein erreichten wir schließlich den Lysefjord. Hier gibt es zwei Wanderungen zu spektakulären Zielen in schwindelnden Höhen, zum Preikestolen und zum Kjerag.
Zunächst steuerten wir einen einsamen Wanderparkplatz auf der südlichen Seite des Fjords und gegenüber dem Preikestolen gelegen an.



Nach einem Spaziergang entschlossen wir uns hier auch die Nacht zu verbringen. Am nächsten Morgen wechselten wir auf die Nordseite und Achim nahm mit Hunderten anderer Touristen den Preikestolen in Angriff.

Es ist eine schmale, scharfkantige Felskanzel auf 607m Höhe, deren drei Seiten senkrecht in den Fjord stürzen. Der Blick über den Lysefjord ist großartig.

Preikestolen, nicht nur ein Naturerlebnis



Nachdem diese Strapaze überstanden war mussten wir nach Lysebotn, am anderen Ende des Fjords und Ausgangspunkt für die Kjerag-Wanderung, gelangen.

Da es keine direkte Verbindungstraße gibt, empfiehlt sich die Fähre zu nehmen. Diese fährt außerhalb der Saison nur 2mal täglich und Vorausbuchung ist notwendig. Mit etwas Glück schafften wir es am nächsten Tag auf die Fähre und durchfuhren den wunderschönen Fjord in seiner ganzen Länge.




Am nächsten Morgen startete Achim von ca. 500m Höhe die Wanderung auf den Kjerag. Hier war der Andrang deutlich geringer als zwei Tage zuvor. Das Kjeragplateau mit seinen 1000m senkrecht abfallenden Wänden ragt hoch und frei über den Fjord. Von hier hat man eine fantastische Aussicht weit über den Lysefjord.

Der absolute Höhepunkt ist jedoch sich auf dem Kjeragbolten ablichten zu lassen.

Es war inzwischen Mitte September und unsere Reise näherte sich dem Ende. Wir hatten entschieden, den kürzesten Weg über Dänemark nach Hause zu nehmen und uns Schweden für eine spätere Reise aufzusparen.

Auf schnellstem Weg fuhren wir zurück zur Küste nach Egersund und ab da die küstennahe Straße südwärts. Um einen Angelplatz zu finden unternahmen wir zahlreiche Abstecher auf Stichstraßen zur Küste, diese endeten entweder als private Sackgassen oder in kleinen, ehemaligen Fischerdörfchen. Hier waren die Häuser in die Felsen gebaut und die Straße so eng, dass wir teilweise Mühe hatten einen Platz zum Wenden des LKW zu finden.


Trotzdem hielt Achim noch an verschiedenen Stellen die Angel ins Wasser, aber ohne Erfolg. Von einigen Angeltouristen hörten wir auch, dass man mit dem Boot raus muss und selbst dann nur kleine Fische fängt. Vorbei mit den paradiesischen Zuständen des Eismeeres.

Wir besuchten noch den südlichsten Festlandspunkt Norwegens, das Kap Lindesnes mit seinem 1915 in Betrieb genommenen Leuchtturm. Nun war es nur noch ein kurzes Stück bis nach Kristiansand, wo wir die Fähre nach Dänemark nahmen und uns schweren Herzens von Norwegen verabschieden mussten.

Kap Lindesnes

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