Mongolei 5

16.10. – 12.11.2016

Fahrstrecke: 2885 km, hiervon knapp 2000 km Pisten

Gesamtstrecke: 31.672 km

Strecke: Darkhan, Ulan Bator, Jargaltkhaan, Binder, Dadal, Bayan-Uul, Mardai, Choibalsan, Menengiyn Tal, Erdenetsagaan, Dariganga, Sainshand, Ikh Nart NR, Ulan Bator

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Wir bogen auf eine unbefahrene Piste ab zur Bergarbeiterstadt Mardai. Hier baute die Sowjetunion seit 1988 Uran mit eigenen Leuten ab, Mongolen hatten keinen Zutritt. In der Stadt lebten damals bis zu 10.000 Russen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde der Minenbetrieb eingestellt und die Stadt verlassen. Heute ist sie eine Geisterstadt. Bis auf einige Wohnblockgerippe steht kein Haus mehr und das ganze Areal gleicht einer Kraterlandschaft.

1215-dsc_4844Geisterstadt Mardai

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Auf der Weiterfahrt statteten wir dem See Yakh Nuur einen kurzen Besuch ab. Um die Zugvögel bei Ihrer Rast zu beobachten waren wir natürlich schon zu spät, stattdessen trafen wir auf Kamele in ihrem Winterpelz.

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1223-ag7_5719Yakh Nuur

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Es war die letzten Tage merklich kälter geworden und wir hatten schon mal unseren Dieselfrostschutz eingefüllt, denn in Russland hatte es ja noch keinen Winterdiesel gegeben. Wieder zurück auf der Hauptpiste suchten wir uns bald einen Nachtplatz. Später am Abend zeigte unser Thermometer Außentemperaturen von unter -20°C an und auch die Heizung wollte nicht mehr abschalten. Das Thermometer musste wohl defekt sein, dachten wir und packten unser Infrarot-Thermometer aus. Mehrere Messungen bestätigten das Unfassbare, es waren gute -28°C Außentemperatur und sternenklar.

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Am nächsten Morgen ließen wir es gemächlich angehen in der Hoffnung die Sonne würde die Temperatur bald nach oben katapultieren. Dem war leider nicht so. Also ging Achim zum Fahrerhaus und wollte sein Glück versuchen den Motor zu starten. In diesem Moment kam ein Reiter vorbei, er gab uns zu verstehen, dass er gleich in der Nähe wohnt und mal schauen wollte ob alles in Ordnung sei. Er wartete die diversen Versuche ab den Motor zu starten und erst als dieser sehr wiederwillig zu husten und zu prusten begann, ritt er zurück zu seiner Jurte. Wir waren erleichtert und setzten guten Mutes die Fahrt nach Süden fort. Auf der Strecke begegneten uns zwei Hirten mit ihrer Herde. Das Leben dieser Menschen ist extrem hart, bei jedem Wetter müssen sie raus und sich um ihre Tiere kümmern, die auch im Winter ihre Nahrung überwiegend selbst suchen müssen, selbst bei Schnee.

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Plötzlich, der Motor nahm kein Gas mehr an und… ging aus. Mist, was konnte das nur sein? Kein Sprit, Achim vermutete, dass der Diesel in einem Filter wegen der Kälte ausgeflockt sei. Also raus in die beißende Kälte und zuerst den Separ-Filter aufgeschraubt. In diesem Moment kam ein Auto angefahren und hielt neben uns. Vier Männer stiegen aus, nur einer sprach drei Worte Englisch, aber sie hatten gleich erkannt, dass hier tatkräftige Unterstützung von Nöten sei. Sie entrissen Achim das Werkzeug und munterten ihn zuerst mit einem Schluck Wodka auf. Der Filtereinsatz war total verschleimt und wurde entfernt, nun musste noch das Fahrerhaus gekippt und Diesel angepumpt werden. Die Jungs waren gut drauf und Achim hatte alle Hände voll zu tun, um ihren Aktionismus in die richtigen Bahnen zu lenken. Wir wurden mit Wodka und geröstetem Brot versorgt und als der Motor nach einigen Startversuchen endlich wieder lief, warteten sie bis wir weggefahren waren, um sicher zu sein dass alles funktioniert. Wir waren den Vieren sehr dankbar.

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In diesem Tagen gewannen wir den Eindruck, dass die Mongolen sich der extremen und auch gefährlichen Lebensumstände sehr bewusst sind. Sie selbst sind darauf eingestellt, haben aber auch ihre Mitmenschen im Blick, nicht  aus Neugier sondern aus Umsicht, was uns wiederum ein beruhigendes Gefühl gab.

Endlich erreichten wir die Provinzhauptstadt Choibalsan mit etwa 45.000 Einwohnern. Die Stadt ist die östlichste große Ansiedlung, danach folgen noch gut 500 km endlose, einsame Steppe bis zur Ostgrenze nach China. Die nördliche Zufahrtsstraße zieht sich als schwarzes Band in die Stadt und ein riesiger Schornstein stößt Tag und Nacht eine weithin sichtbare Rauchwolke aus. Vor der Stadt liegen Kohlegruben und die offenen Transportlaster rumpeln staubend zum Kraftwerk. Wir nutzten die Infrastruktur der Stadt, um Wasser und Diesel, diesmal endlich Winterdiesel, zu bunkern.

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Unser Ziel war die Menengiyn Steppe, wo wir hofften große Gazellenherden anzutreffen. Und wir hatten Glück. Viele größere Herden kreuzten unseren Weg, dennoch war die Fotoausbeute trotz Teleobjektiven recht frustrierend.

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Die Fluchtdistanz der Gazellen war riesig, wir sahen sie eigentlich nur von hinten und auf der Flucht. Für uns ein klares Indiz, dass sie gewildert werden. Traurige Gewissheit erlangten wir ca. 10 Tage später in der Provinz Ostgobi. Hier fanden wir die abgezogenen Felle von mindestens 5 Gazellen und nicht weit davon entfernt auch noch die blutigen Spuren des Schlachtens und Ausnehmens.

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Uns zog es weiter, eigentlich nach Süden, aber weder unsere Karten noch das Navigationsprogramm kannten eine direkte Verbindung sondern nur über die Stadt Choibalsan und damit einem Umweg von gut 200 Kilometern. Also traten wir den Rückweg an und wollten nach einer Piste Ausschau halten, die nach Süden abbog. Stattdessen kamen wir auf der einsamen Piste an einem PKW mit Panne vorbei. Defekter Zahnriemen und es ging gar nichts mehr. Die drei Insassen hatten sich schon ein Feuerchen gegen die Kälte angezündet. Natürlich ist es selbstverständig hier zu helfen und wir hängten den PKW bei uns an. Wir hatten uns schon darauf eingestellt die Drei über 100km bis zur Stadt abzuschleppen, als sie uns signalisierten zu einer Jurte links am Horizont abzubiegen. Hier wohnte ein Freund und sie konnten für die Nacht dort unterkommen. Wir wurden natürlich auf einen Tee in die Jurte eingeladen. Zum Abschied erklärten die Männer uns wie wir die direkte Route über Matad nach Süden finden würden und zeichneten einen Plan in den Sand. So fuhren wir auf kleinen Wegen nach Süden bis wir auf die Piste entlang der Überlandleitung stießen und  folgten.

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Am nächsten Morgen riss uns ein Klopfen an der Tür unsanft aus dem Schlaf. Ein PKW stand vor der Tür und der Fahrer fragte nach einer Zange, mit der er unter seinem Auto verschwand. Kurz später reichte er das Werkzeug wieder rein und fuhr weiter.

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Die Schneedecke wurde immer dünner und verschwand schließlich ganz, je südlicher wir kamen.

Die Landschaft nordöstlich von Dariganga ist geprägt von hunderten Vulkankesseln die sich aus der Steppe erheben. Wir besuchten den heiligen Berg Shiliyn Bogd Uul mit seinen Opferplätzen und einer herrlichen Sicht bis hinüber nach China.

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1247-ag7_6011Shiliyn Bogd Uul

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Neben besagten Vulkanen gibt es in dieser Region auch viele Lavahöhlen. In der begehbaren Talyn Agui ist selbst im Sommer der Boden mit Eis bedeckt. Nun im Winter war auch die Höhlendecke vollständig mit glitzernden Eiskristallen überzogen.

1251-ag7_6092Eingang zur Höhle Talyn Agui

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1253-ag7_6087Talyn Agui

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Ein weiterer heiliger Berg, der Altan Ovoo in Dariganga darf nur von Männern bestiegen werden. Auf seinem Gipfel steht natürlich auch ein riesiger Ovoo.

1256-ag7_6102Dariganga, Altan Ovoo

1257-dsc_5085Dariganga, Balbals

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1259-ag7_6120Dariganga, Altan Ovoo

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In 10 Tagen sollte unser Flieger gen Heimat starten, darum mussten wir unsere Runde nun Richtung Ulan Bator ausrichten. Zunächst legten wir 250km durch einsame Steppe, ohne eine Ansiedlung, westlich nach Sainshand zurück.

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1265-ag7_6132Der Osten hat endlose Steppen

1266-dsc_5107Wodkaflaschen sind leider überall zu finden

Ein Abstecher führte uns zur 40 km südlich gelegenen, wieder aufgebauten Klosteranlage Khamaryn Khiid.

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1270-ag7_6170Shambala Energiezentrum

1271-ag7_6231Khamaryn Khiid

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1273-ag7_6186Khamaryn Khiid

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1275-ag7_6194Khamaryn Khiid

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1278-dsc_5132Wasser tanken

Nun ging es aber endgültig nach Norden, zunächst entlang der Teerstraße die Ulan Bator mit dem Grenzübergang nach China verbindet. Die Straße führt immer parallel zur Trasse der Transmongolischen Eisenbahn, wo wir schier endlose Güterzüge gesehen haben.

1279-dsc_5134Steppenzug XXL

1280-ag7_6253Die Transmongolische Eisenbahn auf dem Weg nach China

1281-dsc_5145Die Schlachtsaison hat begonnen

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Da uns die Teerstraße nach einem Tag bereits zu langweilig war, nahmen wir einen der wenigen Bahnübergänge und suchten uns einen Weg zum Ikh Nart Naturreservat. Hier endete abrupt die endlose Steppe und wir erlebten eine abwechslungsreiche Landschaft mit herrlichen Felsformationen.

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Leider mussten wir es aus Zeitgründen bei einer Stippvisite belassen. Die letzte Nacht vor der Hauptstadt verbrachten wir an den verschneiten Ufern des Tuul.

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Danach stürzten wir uns hinein in das Verkehrschaos von Ulan Bator, um unsere Abreise vorzubereiten. Wir räumten, packten und machten den LKW winterfest, dann wurde Paulchen in seinem Winterquartier abgestellt. Früh am nächsten Morgen mussten wir zum Flughafen und hatten glücklicherweise auch keine Probleme ohne Auto, welches ja bei der Einreise registriert wurde, auszureisen.

ag7_4157Paulchens Winterquartier

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Etwa 12 Stunden später erreichten wir nach ruhigem Flug und einem Stopp in Moskau wieder heimatliche Gefilde. Hiermit endeten unsere 7,5 Monate on tour, die uns durch 13 Länder mit durchweg freundlichen und hilfsbereiten Menschen führte. Wir sahen so viel Schönes, teilweise durch Menschenhand geschaffen, aber auch fantastische und vielfältige Landschaften. Dankbar sind wir für die vielen positiven Kontakte zur lokalen Bevölkerung, unser zuverlässiges fahrendes Heim und dass wir ohne Probleme und bei guter Gesundheit die diesjährige Teilstrecke nach Plan beschließen konnten.

Die Zeit zu Hause werden wir nutzen um Familie und Freunde zu treffen und natürlich auch für die Planung der Route für 2017. Weiter geht es dann im April…

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